Befreundete Imkereien in Europa
Andere bringen Muscheln mit. Ich bringe Honig mit.
Wo ich hinfahre, suche ich die Imkereien vor Ort – und komme oft um eine Bekanntschaft reicher zurück. Aus diesen Begegnungen soll etwas wachsen: europäische Bio-Sortenhonige, die zu meinem Sortiment passen, weil ich die Menschen dahinter kenne. Kaufen kannst du sie hier noch nicht. Aber ich erzähle dir schon mal, wen ich kennengelernt habe und worauf ich hinarbeite.
Zwei Tage im Urlaub gehören den Bienen
Meine Familie und Freunde wissen das inzwischen: Zwei, drei Tage im Urlaub gehören den Bienen. Meistens fängt es auf dem Wochenmarkt an. Ich bleibe am Honigstand stehen, probiere mich durch die Gläser und stelle die eine Frage zu viel – nach der Tracht, nach dem Standort, nach dem Jahr. Spätestens dann merkt mein Gegenüber, dass da kein Tourist steht, sondern ein Kollege. Und oft genug endet das mit einer Einladung: Komm morgen vorbei, dann zeige ich dir, wo der Honig herkommt.
Am nächsten Tag stehe ich dann zwischen fremden Völkern und lasse mir erklären, wie es hier läuft. Mein Italienisch reicht nicht für ein Fachgespräch. Aber über Varroa, Wanderung und Bienen versteht man sich auch mit Händen und Füßen – das Handwerk ist überall dasselbe, nur die Betriebsweise und die Landschaft ist anders. Ich fahre selten weg, ohne etwas gelernt zu haben.
Und manche Bekanntschaft fängt gar nicht im Urlaub an, sondern im Videocall. Imker:innen empfehlen einander weiter, man schreibt sich, telefoniert, schickt sich im Frühjahr Fotos vom ersten Flug. Bei einigen Kolleg:innen stand ich noch nicht im Stand – im Gespräch bin ich mit ihnen trotzdem seit Jahren.
Drei Bedingungen, keine Ausnahme
Wonach ich aussuche
Wenn irgendwann eine neue Honigsorte aus Europa bei mir zu kaufen ist, dann nur unter drei Bedingungen – dieselben, die ich an meinen eigenen anlege.
Zertifiziert bio
Der Betrieb arbeitet nach EU-Bio-Standard und wird dafür kontrolliert, so wie ich. Alles andere kommt mir nicht ins Sortiment, egal wie gut der Honig schmeckt.
Ich kenne die Person, nicht nur den Betrieb
Bei den einen war ich vor Ort und habe die Völker gesehen. Mit den anderen stehe ich seit Jahren im Austausch – per Video, am Telefon, über WhatsApp, wenn irgendwo in Europa gerade die Tracht anläuft. Was es bei mir nicht gibt: einen Honig von jemandem, mit dem ich nie gesprochen habe. Bei jedem Betrieb hier unten steht, wie wir uns kennen.
Ein Honig, den es hier nicht gibt
Kein zweiter Blütenhonig neben meinem. Sondern Sorten, die nur dort wachsen, wo sie wachsen – weil die Sulla-Felder, die Macchia und die Distelhänge am Pindos eben nicht im Bergischen Land liegen.
Wen ich kenne
Drei Betriebe, drei Arten, dasselbe Handwerk zu leben. Bei manchen war ich schon, bei anderen steht der Besuch noch aus – auf jeder Karte steht, woran wir gerade sind.
Federico Biagi – Azienda Agricola Luciano & Marino
Marina di Pietrasanta, Toskana, Italien
Wir haben uns im Dezember 2025 auf dem Markt in Camaiore kennengelernt.
„Den Betrieb hat Federico nach seinen beiden Großvätern benannt, Luciano und Marino – von denen hat er das Imkern. Er nennt sich selbst keinen Produzenten, sondern einen Hüter seiner Völker. Wer für eine einzige Sorte mit seinen Bienen bis in ein Naturschutzgebiet fährt, meint das ernst."
Michael Allesch – Bioimkerei St. Anna
St. Anna am Wörthersee, Kärnten, Österreich
Ich habe Michael 2023 in seiner Imkerei in St. Anna auf einen Kaffee besucht.
„Den ersten Stock bekam Michael von seinem Vater geschenkt – von ihm hat er die Leidenschaft für das Imkern. Er sieht sich heute selbst nicht als reiner Produzent, sondern öffnet seinen Bio-Hof als Schaubauernhof für Schulklassen. Wer für Spitzenhonig und lebendiges Lernen mit seinen 150 Völkern lebt, meint das ernst."
Diese Honige möchte ich gern in mein Sortiment aufnehmen
Vier Sorten, die es im Bergischen Land nicht geben kann – von fast weiß bis dunkelbraun liegt eine ganze Landschaft dazwischen.
Miele di Sulla
Süßkleehonig aus der Toskana · Toskana, Italien
Die Sulla ist ein Kleegewächs mit knallroten Blütenkerzen, das ganze Felder überzieht. Ihr Honig ist das Gegenteil von spektakulär: hellgelb bis fast perlweiß, sehr zart, ohne jede Schärfe. Der Honig, den man morgens aufs Brot streicht, ohne dass er den Tag übertönt.
Miele di Edera
Efeuhonig · Italien
Efeu blüht, wenn fast alles andere durch ist, im September und Oktober. Der Honig daraus kristallisiert so schnell, dass er den Imker:innen manchmal schon in den Waben fest wird – am Ende steht ein fast weißer, streichfester Honig im Glas. Geschmacklich alles andere als zart: sehr süß, mit einer harzig-krautigen Note, die lange bleibt. Ein Honig für Neugierige.
Miele di Erica
Heidehonig aus der Macchia · Toskana, Italien
Die Baumheide ist ein Buschgewächs der mediterranen Macchia; sie blüht im Frühjahr, geerntet wird im Mai. Der Honig ist dunkelbraun mit einem Stich ins Orange und kristallisiert zu einer feinen, glatten Textur. Im Geschmack Karamell und Kakao, mit einer leichten Bitternote am Ende – die Sorte für Menschen, die Käse mögen und keine Angst vor Charakter haben.
Meli Gaidouragatho
Mariendistelhonig aus Griechenland · Pindos, Griechenland
Die Mariendistel blüht im Hochsommer, unter anderem an den Ausläufern des Pindos-Gebirges. Ihre violetten Blüten liefern einen hellgelben, milden Honig, den man außerhalb Griechenlands so gut wie nie zu sehen bekommt.
Ob und wann diese Honige tatsächlich kommen, hängt an Ernte, Menge und daran, dass die Papiere stimmen. Ich sage Bescheid, wenn es so weit ist.
Abgrenzung
Was das ausdrücklich nicht ist
Ich könnte morgen Honig aus Europa zukaufen. Fässerweise, günstig, mit einem Etikett drauf, auf dem mein Name steht. Das machen viele so, und rechtlich ist daran nichts falsch. Ich will es nur nicht.
Ein Glas mit meinem Namen soll dafür stehen, dass ich weiß, wo der Inhalt herkommt – und dass ich den Menschen kenne, der ihn geerntet hat. Nicht als Zeile in einem Lieferschein, sondern als jemanden, den ich anrufen kann. Deshalb dauert das hier länger, als es müsste.
Was mir dazu oft gesagt wird
Das kann ich dir noch nicht sagen. Solange nicht feststeht, welche Menge ein Betrieb abgeben kann und die Einfuhr- und Bio-Papiere nicht sauber sind, nenne ich kein Datum. Auf der Warteliste erfährst du es zuerst.
Nein, und das soll auch niemand verwechseln. Mein Honig kommt aus dem Bergischen Land, aus meinen Völkern. Die europäischen Sorten stehen unter dem Namen der Kolleg:innen, die sie geerntet haben – mit Region, Betrieb und Gesicht.
Weil Kastanie, Sulla oder Baumheide hier nicht wachsen. Ich will meinem Sortiment nichts hinzufügen, was ich selbst schon mache – sondern Sorten, die es bei mir sonst nie geben könnte.
Dann kommt er nicht ins Regal. Ich habe schon Honige probiert, die gut waren, aber der Betrieb war nicht zertifiziert oder die Menge zu unsicher. Das ist keine Absage an die Person – nur an das Glas.
Bis dahin
Mein eigener Honig steht schon im Regal
Aus dem Bergischen Land, aus meinen eigenen Völkern – den gibt es heute schon.