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Agrarpolitik

Warum wir nach acht Jahren Bioland verlassen

Nach acht Jahren endet die Mitgliedschaft von Authentico bei Bioland. Was das für die Bio-Zertifizierung bedeutet, und was sich an der Arbeit in der Imkerei nicht ändert.

Sebastian Sebastian 1. Juli 2026 5 Minuten Lesezeit
Warum wir nach acht Jahren Bioland verlassen

Was auf dem Papier steht, ändert nichts an dem, was hier zwischen den Fingern liegt.

Nach acht Jahren habe ich zum 30. Juni 2026 meine Mitgliedschaft bei Bioland beendet.

Was gleich bleibt: Authentico ist ein zertifizierter Bio-Betrieb. Die EU-Bio-Zertifizierung besteht unverändert, kontrolliert wird wie bisher, auch die Kontrollnummer, die auf dem Glas steht, bleibt dieselbe: DE-ÖKO-003.

Was wegfällt, ist das Verbandszeichen. Warum, erzähle ich dir hier.

Acht Jahre Bioland

2018 bin ich eingetreten. Ich habe damals einen Artikel darüber geschrieben, er heißt „Hallo Bioland! Ein wichtiger und guter Schritt für meine Imkerei", und er steht immer noch online. Ich lasse ihn stehen. Er ist nicht falsch.

Damals war Authentico eine Nebenerwerbs-Imkerei, die gerade dabei war, aus dem Hobby herauszuwachsen. Ein Verband bedeutete: strengere Regeln als die EU-Verordnung, ein Netzwerk aus Betrieben, die dieselben Fragen haben, und Beratung von Leuten, die das seit Jahrzehnten machen. Genau deshalb bin ich hin.

Im selben Jahr bin ich WWOOF-Host geworden. Seitdem waren 47 WWOOFer:innen aus aller Welt bei mir. 2024 wurde Authentico Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau – als einer von knapp 300 Betrieben bundesweit.

Das waren gute Jahre. Verändert hat sich in dieser Zeit nicht meine Imkerei, sondern das, was ein Verband und ein kleiner Betrieb voneinander brauchen.


Foto aus der Anfangszeit 2018

Der Artikel von 2018. Ich nehme ihn nicht runter.

Warum jetzt Schluss ist

Ein Verband bewegt sich in einem Markt, der heute ein anderer ist als vor zehn Jahren. Bioland ist in dieser Zeit stark gewachsen und hat heute andere Aufgaben zu lösen als früher, und er löst sie für viele Betriebe sehr gut.

Ich bin ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb. Meine Ziele sind über die Jahre die gleichen geblieben: nah an meinen Bienen, kleine Mengen, regenerativ für eine enkeltaugliche Zukunft. Irgendwann habe ich gemerkt, dass man nicht mehr in dieselbe Richtung unterwegs ist. Dann ist es ehrlicher, eine Mitgliedschaft zu beenden, als sie weiterlaufen zu lassen.

Ich gehe ohne Streit, ohne Bruch. Einfach zwei Wege, die sich getrennt haben.

Bio mache ich aus Überzeugung, nicht wegen eines Siegels

An meiner Betriebsweise ändert der 30. Juni 2026 nichts. Damit du mir das nicht einfach glauben musst, gibt's hier fünf Regeln, nach denen ich arbeite. Sie stehen in keiner Richtlinie – nicht in der EU-Öko-Verordnung, nicht bei Bioland, nicht bei Demeter. Die habe ich mir selbst gegeben, und sie sind der Grund, warum ich von „Beyond Organic" spreche: Bio ist die Basis – und dann gehen wir weiter.

1. Höchstens 16 Völker an einem Standort

Keine der Richtlinien kennt eine Obergrenze. Du darfst 50 Völker auf eine Wiese stellen, und es ist überall zulässig.

Ich stelle höchstens 16 an einen Standplatz. Eine Biene fliegt rund drei Kilometer weit und kommt dann wieder zu ihrem Stock zurück. Je mehr Völker an einem Standort stehen, desto schwieriger für die Biene, ihr Flugloch wiederzufinden. Damit die Sammlerinnen weniger Stress haben, habe ich diese Obergrenze für meine Stände eingeführt.

2. Naturwabenbau

In meine Rähmchen kommt nur ein schmaler Anfangsstreifen, anstelle einer ganzen Mittelwand zum Einsatz. Den Rest bauen die Bienen selbst.

Ich verwende keine vollflächigen Mittelwände. Das bedeutet: Zellgröße und Wabenstruktur wird durch die Bienen bestimmt, nicht durch eine Prägewalze.

3. Keine Ameisensäure gegen die Varroamilbe

Ameisensäure ist im Bio-Bereich als Mittel gegen die Varroamilbe überall zugelassen. Ich setze sie nicht ein.

Damit das kein Missverständnis gibt: Behandelt wird in jedem Fall. Eine Varroabehandlung ist keine Frage der Haltung, sondern der Verantwortung gegenüber dem Volk. Ich mache es nur anders.

4. Wandern: höchstens dreimal im Jahr, nie weiter als 200 Kilometer

Im Bio-Bereich ist Wandern unbegrenzt erlaubt. Weder Entfernung noch Häufigkeit sind geregelt.

Jeder Transport bedeutet für ein Volk Erschütterung, Wärmestau und Neuorientierung. Deshalb die zwei Grenzen: dreimal pro Jahr, 200 Kilometer. Das reicht für die Trachten, die ich anfahren will, und es hält die Belastung für die Völker in einem Rahmen, den ich verantworten kann.

5. Kein starkes Schröpfen

Einem starken Volk Brutwaben zu entnehmen, um daraus Ableger zu bilden, ist erlaubt und weit verbreitet. Es ist der schnellste Weg zu mehr Völkern.

Ich verzichte darauf. Ein Volk soll seine Struktur und seine Stärke über die ganze Saison behalten und nicht im Juni auf die Hälfte zusammenschrumpfen. Selbstverständlich vermehre ich trotzdem, denn dies ist der Jungbrunnen jeder Imkerei.


Frisch ausgebaute Naturwabe im Rähmchen

Ein schmaler Streifen oben, den Rest haben die Bienen gebaut. Regel zwei.

Was Bio in einer Imkerei tatsächlich heißt

Weil das die häufigste Frage ist, die mir dazu gestellt wird: Bio ist bei Lebensmitteln kein Werbewort, sondern staatlich überwachtes Recht.

Die EU-Öko-Verordnung schreibt für Imkereien unter anderem vor, woraus die Beuten bestehen dürfen, dass Wachs für die Waben aus ökologischer Erzeugung stammen muss, was gegen die Varroamilbe eingesetzt werden darf, in welchem Abstand zu nichtlandwirtschaftlichen Verschmutzungsquellen die Völker stehen müssen und dass eine Umstellung mindestens ein Jahr dauert.

Und sie schreibt vor, dass eine zugelassene Kontrollstelle das überprüft. Mindestens einmal im Jahr, ein Teil davon unangekündigt. Die Nummer dieser Kontrollstelle steht auf jedem Glas (und auch oben rechts auf dieser Seite): DE-ÖKO-003.

Diese Kontrolle läuft weiter. An ihr hat sich durch den 30. Juni nichts geändert – sie hing nie an einem Verband, sondern an der EU-Verordnung.

Ein Verband setzt darüber hinaus eigene, strengere Regeln. Das ist sinnvoll, und für viele Betriebe ist es genau der richtige Weg. Die fünf Punkte oben sind mein Weg.

Sebastian
Ich bin Sebastian, der Imker von Authentico, geerdet und mit vollem Einsatz für meine Bienen. Bei mir zählt, was ich mit meinen Händen mache: Handwerk statt Verbandslabel, EU-Bio als Basis, aber dann geht‘s weiter. Als Referent für Ökologische Bienenhaltung (u. a. Floriade Expo 2022, im Auftrag des BMEL) und aus TV-Auftritten wie ARD-Morgenmagazin, Land&lecker teile ich hier, was mir rund um Bienen, Herkunft und Handwerk wichtig ist.

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